1. Bonner Böllerschützen


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Das Boellerschiessen

Das Böllerschießen



Die Aktivitäten der dem BDHS angeschlossenen Bruderschaften sind unterschiedlich und vielfältig. In einigen Bruderschaften steht nicht das sportliche Schießen im Vordergrund, sondern der Umgang mit Pfeil und Bogen, aber auch das Böllerschießen zur Pflege und Erhaltung alten Brauchtums.


Geschichte des Böllerschießens


Das Böllerschießen wird nachweislich seit Jahrhunderten ausgeübt. Belege reichen bis in das ausgehende 14. Jahrhundert zurück. Trotz aller wissenschaftlichen Nachforschungen ist es aber bis heute nicht gelungen, das Entstehen des Böllerschießens exakt nachzuweisen. Sicher ist jedoch, dass bereits seit Jahrhunderten im gesamten deutschsprachigen Raum, also von der Nord- und Ostseeküste bis nach Bayern und von Westfalen bis tief in böhmische Gebiete, vor Erfindung des Schießpulvers geböllert wurde.

Es diente ursprünglich zur Abwehr von bösen Geistern und Dämonen, sollte das Wetter ändern und das Erwachen der Natur nach der Wintersonnenwende einleiten. Zur Ausübung dieser Bräuche verwendete man ursprünglich Glocken, Peitschen oder ähnliche Dinge. Seit der Erfindung des Schwarzpulvers wurde mit Schusswaffen oder Kanonen geböllert. Es diente auch zur Verständigung und als Warneinrichtung beim Herannahen des Feindes.

Später brachte man mit Böllern Lebensfreude zum Ausdruck, z. B. wenn Taufen, Geburtstage oder Hochzeiten anstanden. Auch zu kirchlichen Anlässen wurde geböllert. Es galt als höchster Achtungserweis, wenn Herrscher und Könige zu Besuch kamen und mit Böllerschüssen empfangen wurden. Bekannt ist die Anekdote vom Hornberger Schießen. Danach sollte in Hornberg (Schwarzwald) im Jahre 1564 der regierende Herzog mit Salut und allen Ehren empfangen werden. Als alles bereit war, näherte sich aus der Ferne eine große Staubwolke. Die Hornberger jubelten, die Kanonen donnerten was das Zeug hielt. Die Staubwolke entpuppte sich aber nur als eine Postkutsche. Der Hornberger Ausguck hatte einen Fehlalarm herausgegeben. Als der Herzog endlich ankam, war sämtliches Pulver verschossen. Einige Hornberger versuchten dann, durch Brüllen den Kanonendonner nachzuahmen. Seither wird die Redewendung "Das geht aus wie das Hornberger Schießen" dann gebraucht, wenn eine Angelegenheit mit großem Getöse angekündigt wird, dann aber nichts dabei herauskommt und sie ohne Ergebnis endet.

Bauart der Böller


Bei den Böllern wird zwischen Handböllern, Standböllern und Böllerkanonen unterschieden.

Handböller sind oft aufwendig verziert und unterteilen sich in pistolenartige und gewehrartige Handböller. Die gewehrartigen Böller heißen dann Schaftböller, Böllerbüchsen, Böllerstutzen oder Prangerstutzen.

Standböller sind mörserartige Waffen oder Salutschussgeräte mit drei Rohren, bei denen ein Schütze mehrere Schuss abgeben kann ohne dazwischen nachladen zu müssen.

Böllerkanonen werden als Vorderlader- und Hinterladerkanonen angeboten.

Ladung


Handböller sind regelmäßig Vorderlader und werden mit Böllerpulver befüllt. Böllerpulver ist ganz normales Schwarzpulver, allerdings ein Gemisch sehr unterschiedlicher Korngrößen. Während es beim Schießen auf Präzision ankommt, ist beim Böllern ein möglichst satter Knall wichtig. Es hat eine bestimmte Körnung und eine Abbrandgeschwindigkeit von ca. 400 m/Sekunde. Die Entzündungstemperatur liegt bei etwa 300°, die Verbrennungstemperatur etwa bei 2500° Celsius.

Bei Handböllern ist ein Kaliber zwischen 10 und 25 mm handelsüblich, bei Standböllern und Böllerkanonen kommen Kaliber bis zu 90 mm vor.

Die Pulvermenge pro Schuss beträgt dann bis zu 400 g. Bei einem Handböller von 15 mm werden lediglich ca. 13 g Schwarzpulver benötigt.

Das Böllerpulver wird im Böller durch einen Korken verdämmt. Andere Verdämmungsmaterialien sind in Deutschland nicht mehr erlaubt.

Gezündet wird die Ladung durch ein Zündhütchen, das bei Handböllern regelmäßig durch ein Perkussionsschloss, bei Standböllern und Kanonen durch einen Schlagbolzen gezündet wird. Zulässig ist auch die Verwendung eines elektrischen Brückenanzünders.

Bei Hinterladerkanonen wird das Pulver nicht von vorn in das Rohr eingebracht, sondern mit einer fertigen Kartusche von hinten geladen.

Schussfolgen


Es werden auf Kommando unterschiedliche Salven abgegeben:

Das Lauffeuer wird im gleichen Takt geschossen. Die einzelnen Schützen warten, bis sie den Schall vom Vorgänger hören. Das geht über mehrere Runden so, daher muss der einzelne Schütze beim Nachladen sehr geübt sein, damit es keine Verzögerung gibt.

Das Schnellfeuer wird wie das Lauffeuer im gleichmäßigen Takt ausgeführt. Hier folgen die Schüsse mit kürzerem Abstand unmittelbar hintereinander.

Der Salutschuss wird gleichzeitig von allen Schützen geschossen.

Das "Rad" wird mit zunehmender Geschwindigkeit geschossen, bis die letzten zwei bis drei Schützen schon fast gleichzeitig abdrücken.

Den Doppelschlag feuern zwei Schützen direkt nacheinander ab. Dann wird gewartet, bis die nächsten beiden Schützen feuern.

Rechtsgrundlagen


Wer aus persönlichen (privaten) Gründen mit explosionsgefährlichen Stoffen umgehen oder diese erwerben will, benötigt nach § 27 des Gesetzes über explosionsgefährliche Stoffe (Sprengstoffgesetz-SprengG) eine Erlaubnis. Nach
§ 27 Abs. 2 SprengG ist die Erlaubnis in der Regel für die Dauer von 5 Jahren zu erteilen. Sie kann inhaltlich und räumlich beschränkt und mit Auflagen verbunden werden, soweit dies zur Verhütung von Gefahren für Leben, Gesundheit oder Sachgüter oder von erheblichen Nachteilen oder erheblichen Belästigungen für Dritte erforderlich ist. Die nachträgliche Beifügung, Änderung und Ergänzung der Auflagen ist zulässig. Zu den Personen, die privat mit explosionsgefährlichen Stoffen umgehen oder diese erwerben wolle, gehören vorwiegend Wiederlader von Patronen, Vorderlader- und Böllerschützen, Personen die selbst Feuerwerke der Klasse III abbrennen oder wissenschaftlich mit explosionsgefährlichen Stoffen experimentieren.

Grundlage für die Erteilung einer Sprengstofferlaubnis ist der Nachweis über die erfolgreiche Teilnahme an einem staatlichen oder staatlich anerkannten Grundlehrgang gemäß § 9 SprengG (Fachkundezeugnis). Außerdem muss der Antragsteller nach § 8 a SprengG zuverlässig und nach § 8 b SprengG persönlich geeignet sein, darüber hinaus nach § 8 SprengG das 21. Lebensjahr vollendet haben.

Zuverlässigkeit und persönliche Eignung werden durch die zuständigen Kreise bzw. Landratsämter überprüft. Diese stellen eine Unbedenklichkeitsbescheinigung aus. Ohne die Unbedenklichkeitsbescheinigung ist die Teilnahme an einem Fachkundelehrgang ausgeschlossen.

Außerdem muss für die beabsichtigte Tätigkeit ein Bedürfnis, in der Regel zur Brauchtumspflege, bestehen. Dies wird nachgewiesen durch die Mitgliedschaft in einem Schießsportverein bzw. anerkannten Schießsportverband oder durch die Vorlage eines gültigen Jagdscheines. Zusätzlich muss noch ein Bedürfnis zum Erwerb von Treibladungspulver glaubhaft gemacht werden.

Eine Erlaubnis nach § 27 SprengG läuft nach 5 Jahren automatisch ab. Sie kann dann im Bedarfsfalle für weitere 5 Jahre verlängert werden. Hierfür wird der Erlaubnisinhaber wieder einer Zuverlässigkeitsprüfung unterzogen. Außerdem muss nachgewiesen werden, dass weiterhin ein Bedürfnis für die Erlaubnis besteht. Die Verlängerung muss vor Ablauf der Erlaubnis beantragt werden, da anderenfalls nur eine Neuerteilung der Erlaubnis möglich ist. Dann muss z. B. der Fachkundelehrgang neu nachgewiesen werden.

Nach § 34 SprengG kann die Erlaubnis jederzeit unter bestimmten Voraussetzungen zurückgenommen oder widerrufen werden.

Lagerung von Schwarzpulver


Die Lagerung von Böllerpulver oder Schwarzpulver erfolgt nach der Sprenglagerrichtlinie Nr. 410. Das Pulver muss in einem Blechschrank oder Tresor mit 4 mm Wandstärke oder einer Massivholzkiste mit mindestens 20 mm Wandstärke gelagert werden. Die Scharniere müssen innenliegend sein und das Schloss darf aus dem Deckel nicht heraus- oder abstehen. Die Behälter müssen an der Wand oder am Boden verankert werden. Sie müssen verschlossen und mit Explosivzeichen (explodierende Bombe) gekennzeichnet sein.

Zur Lagemenge gilt Folgendes zu beachten


Es ist zunächst zu unterscheiden nach Aufbewahrung kleiner Mengen im gewerblichen Bereich und nicht gewerblichen Bereich.

1. gewerblicher Bereich


Hier gilt Anlage 6 zum Anhang 2. Verordnung zum Sprengstoffgesetz
(2. SprengV) "Aufbewahrung kleiner Mengen im gewerblichen Bereich".

Danach dürfen 3 kg Schwarzpulver (Lagergruppe 1.1) in Gebäuden mit Wohnraum im Lagerraum (z. B. Keller)aufbewahrt werden.

2. privater Bereich


Hier gilt Anlage 7 zum Anhang 2. Verordnung zum Sprengstoffgesetz
(2 SprengV) "Aufbewahrung kleiner Mengen im nicht gewerblichen Bereich".

Danach darf 1 kg Schwarzpulver (Lagergruppe 1.1) in Gebäuden mit Wohnraum in einem nicht bewohnten Raum (z.B. Keller)aufbewahrt werden.

In Gebäuden ohne Wohnraum dürfen 3 Kg Schwarzpulver gelagert werden.

Transport von Schwarzpulver


Die Beförderung von Schwarzpulver ist im Sprengstoffgesetz und in der Gefahrgutverordnung Straße, Eisenbahn und Binnenschifffahrt (GGVSEB) mit dem Europäischen Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße (ADR) geregelt.

Insbesondere gilt


1.
Es ist bei der nicht gewerblichen Beförderung und Handhabung von Schwarzpulver eine gültige Erlaubnis nach § 27 SprengG im Original mitzuführen.

2.
Der Erlaubnisinhaber hat als verantwortliche Person im Sinne von § 19 SprengG alle erforderlichen Maßnahmen zu treffen, dass die Gefahrenstoffe nicht abhandenkommen oder Dritte dieser Stoffe unbefugt an sich nehmen können
(§ 24 Abs. 2 Nr. 4 SprengG).

Daher sind folgende Sicherheitsbestimmungen zu beachten


Das Fahrzeug bedarf einer ständigen Bewachung, solange sich das Pulver im Fahrzeug befindet. Unbekannte Personen (Anhalter) dürfen im Fahrzeug nicht mitgenommen werden. Das Schwarzpulver muss auf direktem Weg vom Geschäft zur Lagerstätte bzw. auf direktem Weg von der Lagerstätte zu Einsatzort (Schießstand, Veranstaltung) transportiert werden. Das Parken in Tiefgaragen ist strengstens verboten.

Bei Veranstaltungen darf Schwarzpulver in Ausnahmefällen in einer Menge bis höchstens 1 kg im verschlossenen Kofferraum gelagert werden. Die Dauer der Aufbewahrung darf 72 Stunden nicht überschreiten. Ein Parkplatz muss bewacht werden.

In einem normalen nicht gekennzeichneten PKW oder LKW dürfen maximal 5 kg Schwarzpulver brutto transportiert werden.

Im Kombis, Lieferwagen, Wohnmobilien oder Fahrzeugen, an denen der Laderaum von der Fahrgastzelle nicht getrennt ist, muss ein gesonderter Transportbehälter für den Transport benutzt werden. Die Lagerbehälter bestehen aus Aluminium und sind mit Prüfnummern der BAM (Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung) versehen. Die Kiste muss beim Transport gegen Verrutschen mit Spanngurten oder ähnlichem gesichert sein. Das Schwarzpulver darf nicht mit anderen gefährlichen Gütern zusammen auf einem Fahrzeug verladen werden.

Beim Transport und Ladearbeiten besteht im und um das Fahrzeug herum absolutes Rauchverbot (Rand Nr. 2009 Abs. A der GGVSEB in Verbindung mit Anlage 2 zur GGVSEB).

Die vorherigen Ausführungen zeigen, dass die Vorschriften und Durchführungsvorschriften des SprengstoffG zum privaten Umgang mit Böllern und Pulver ähnlich gelagert sind wie die Vorschriften des Waffengesetzes. Werden die Vorschriften penibel eingehalten, lassen sich Unfälle beim Böllerschießen vermeiden.

Dieser Bericht wurde uns, im August 2012, freundlicherweise von

Rechtsanwalt Hermann Josef Pierenkemper

zur Verfügung gestellt.




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